Mit „Relaunch“ getaggte Treffer aus blog.5gestalten.de

UPDATE: Bitte die Kommentare beachten. Offenbar wird an der Webseite gerade wieder herumgeschraubt... Mittlerweile funktionieren alte Links wieder, führen aber auf die URL www.dwd.de, was auch nicht gerade optimal ist. Die Inhalte, die gestern noch da waren, sind nun wieder verschwunden. Unschön, immerhin wurde die neue Webseite schon reichlich in den entsprechenden Wetterforen besprochen...

 

 

Webseiten verändern sich ständig. Neue Inhalte, ein überarbeitetes Layout, mehr Navigationspunkte und neue Funktionen – all das ist Alltag. Der Deutsche Wetterdienst  (DWD) hatte schon sehr lange angekündigt, dass seine Webseite erneuert werden sollte. Die war in der Tat nicht besonders schön, erfüllte aber eine wichtige Funktion, und die recht gut: Mit wenigen Klicks die Warnungen des DWD übersichtlich anzubieten.

Nun ist es geschafft, die neue Webseite ist endlich online. Eingebunden in die Seite der übergeordneten Behörde, das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und auch an deren Layout angepasst. Hört sich gut an? Vielleicht. Ist aber nicht unproblematisch.

Was ist schiefgelaufen? Ein großer Fehler ist der Umgang mit der alten DWD-Webseite und damit mit all den Nutzern, die diese Seite in ihre Lesezeichen aufgenommen haben; mit allen Webseiten, die diese Seite verlinkt haben und mit allen Suchmaschinen, die diese Seite gespeichert haben. Warum? Weil man das hier niemals machen sollte...

dwd_fehler.gif

URLs sollten möglichst nicht verändert werden. Wenn es doch nötig werden sollte, dann muss ein Redirect erfolgen. Sicher, man könnte in diesem Fall argumentieren, dass die Seitenstruktur gewachsen ist, es neue Inhalte gibt und die alte Seite ( es handelt sich hier übrigens um die Seite mit den Wetterwarnungen!) in dieser Form einfach nicht mehr existiert. Allerdings: das sind Überlegungen, die VOR dem Relaunch einer so wichtigen und so stark frequentierten Seite wie der des Deutschen Wetterdienstes erfolgen müssen. Hier müssen Lösungen gefunden werden, die den Nutzern entgegenkommen. Es ist nicht sehr nutzerfreundlich, relativ einfache URLs wie http://www.dwd.de/de/WundK/Warnungen/index.htm

plötzlich zu

http://www.dwd.de/bvbw/appmanager/bvbw/dwdwwwDesktop/?_nfpb=true&_windowLabel
=T14600649251144330032285&_urlType=action&_pageLabel=
_dwdwww_wetter_warnungen_warnungen&WEEKLY_REPORT_VIEW=
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SEL=true&STATIC_CONTENT_VIEW=false&WARNING_TYPE=0&
REPORT_VIEW=false&LAND_CODE=SU#WARN_MSG_ANCHOR


werden zu lassen...*

Ein Seiten-Relaunch verlangt dem Nutzer unter Umständen einiges ab. Ein neues Layout, neue Navigationsmöglichkeiten, eine andere Anordnung bereits gewohnter Elemente - all das erfordert eine gewisse Einlernzeit für den Nutzer, um mit der neuen Seite zurechtzukommen. Dem kann man entgegenwirken, wenn man die neue Seite so strukturiert und gestaltet, dass sie der Erwartungskonformität entspricht und dem Nutzer die Umgewöhnung erleichtert. Ansätze dafür sind bei der DWD-Webseite durchaus vorhanden: Inhalte sind gruppiert und deutlich voneinander abgegrenzt:

dwd_übersicht.gif


Die Navigationsstruktur hingegen ist nun nicht mehr so leicht zu durchschauen. Eine ellenlange Navigation über zwei Zeilen, bei der einzelne Bereiche nicht so deutlich gruppiert sind – so haben alle Navigationspunkte die gleiche Wertigkeit, obwohl sie verschiedenen Nutzergruppen zuzuordnen sind.

Die Inhalte sind insgesamt wesentlich umfangreicher geworden. Dabei besteht oft die Gefahr, unübersichtlich zu werden. Eine grundsätzliche Hürde bei der Strukturierung von Webseiten liegt darin, ein gutes Konzept zu erarbeiten. Dazu gehört eine gründliche Sichtung der Inhalte, die auf der Webseite angeboten werden sollen, ihre sinnvolle Kategorisierung und Gruppierung und auch, Inhalte gegebenenfalls zu kürzen oder ganz zu streichen. Nicht jede Information, die ein Unternehmen bereithält, ist für den Nutzer relevant. Andersherum kann es vorkommen, dass interessante Informationen nur noch schwer gefunden werden, weil sie sich nicht eindeutig einer Kategorie zuordnen ließen und nun unter Themen zu finden sind, wo der Nutzer sie zunächst nicht vermuten würde.

Apropos nicht vermuten – man sollte eigentlich annehmen, dass ein Webseiten-Relaunch zu einer moderneren und professionelleren Optik führt (wer die alte DWD-Seite kannte, wird wissen, was ich meine). Sicher, professioneller sieht sie jetzt schon aus. Aber moderner? Bilder mit abgesoftetem Rand sind weder besonders hübsch noch besonders modern. Auch sonst wirkt die Seite nicht gerade sonderlich frisch. Teilweise ist das natürlich dem Rahmen geschuldet - die Umgebung der Ministeriums-Seite, das hier verwendete Content Management System. Dass layouttechnisch mehr möglich ist, zeigt jedoch gerade die Webseite des BMVBS, die ein deutlich moderneres Design hat.

Es gibt noch eine ganze Reihe an Kleinigkeiten, die den Relaunch der DWD-Seite nicht gerade zu einem Meisterstück machen - nicht valides HTML, inkonsistente Darstellung einzelner Bereiche (Wegfall der Navigation auf Unterseiten), ungewöhnliche Navigationsmöglichkeiten innerhalb der Portlets und deren inkonsistentes Aussehen:

portlet.gif

Einige dieser Kästen besitzen einen Button, der die gleiche Funktion hat wie das [mehr] unter den Texten; allerdings haben nicht alle Kästen diese Buttons. Ruft man diese Funktion auf, werden die Inhalte im mittleren, dem Inhaltsbereich angezeigt und haben nun rechts oben einen neuen Button, mit dem diese Inhalte wieder geschlossen werden können. So gelangt man zur vorherigen Seite zurück.

Fazit: Neu ist nicht immer besser. Ein durchdachtes Konzept sorgt von Anfang an für eine professionelle Herangehensweise. Probleme wie die fehlende Redirection von Links treten so gar nicht erst auf. Noch besser ist es, wenn Usability-Maßnahmen den Relaunch der Webseite begleiten. 

 

* Umbrüche manuell eingefügt, die URL sprengt den Rahmen... ;)

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